Wir alle kennen sie – diese unsichtbaren Allergien, die keinen Hautausschlag oder tränende Augen verursachen und dennoch tief unter die Haut gehen. Es sind diese Momente, in denen du plötzlich gereizt bist. Dein Körper spannt sich an, dein Herz schlägt schneller, du willst am liebsten flüchten oder jemanden anschreien. Vielleicht ist es ein bestimmtes Verhalten von einem Mitmenschen, eine dominante Stimme, ein bestimmter Geruch, eine überfüllte Umgebung oder die Art, wie dich jemand anschaut.

Was wäre, wenn du diese Reaktion nicht weiterhin einfach akzeptierst und als «normal» abtust. Wenn diese Reaktion kein Zufall ist? Wenn dein Widerstand ein Schatz ist – ein Hinweis auf ein Thema, das du noch nicht anschauen willst? Genau hier beginnt psychologische Prozessarbeit.

Der Widerstand als Wegweiser

Widerstand entsteht, wenn etwas in uns in Resonanz geht. Resonanz bedeutet, dass es etwas mit uns zu tun hat , ob wir wollen oder nicht. Im Fall von Widerstand zeigt es sich jedoch nicht in einer harmonischen, sondern in einer dissonanten Weise. Wir wollen «es» weg haben, es soll verschwinden, wir negieren unsere Gefühle. Diese Reaktion kann auf einer vergangenen Erfahrung beruhen, die uns geprägt hat und ein bestimmtes Emotionsmuster in uns auslöst. Vielleicht fühlten wir uns damals ohnmächtig, verletzt, schämten uns oder wurden beschämt. Die Auswirkung kann sich sowohl physisch als auch emotional zeigen, bspw. durch Kampf/Flucht, Erstarren und körperlich durch Erröten, Erblassen, starkes Schwitzen etc.

Wenn du heute auf eine Situation übermässig reagierst, lohnt es sich, genauer hinzuschauen, hinzufühlen, hinzuhören:

Hier liegt ein blinder Fleck. Und genau da ist dein Entwicklungspotenzial verborgen.

Woran erkennst du deine „inneren Allergien“?

  • Du wiederholst ähnliche Konflikte mit verschiedenen Menschen.

  • Bestimmte Orte, Stimmen oder Gerüche lösen Unbehagen oder sogar Aggression, Fluchtverhalten aus.

  • Du verurteilst Menschen für ein Verhalten, das dich unverhältnismässig aufregt.

  • Du vermeidest bestimmte Situationen instinktiv, ohne zu wissen warum.

  • Du reagierst auf Kritik oder Nähe mit Abwehr oder Rückzug.

Diese Reaktionen sind nicht „falsch“ – sie sind ehrlich. Und sie erzählen dir etwas über dich.

Warum es wichtig ist, den Widerstand zu würdigen

In der prozessorientierten Psychologie sehen wir Widerstand nicht als Hindernis, sondern als Teil des Weges. Der Trigger zeigt dir einen Anteil in dir, den du vielleicht lange weggeschoben hast – weil er damals zu schmerzhaft oder zu bedrohlich war.

Wenn du dich traust, mitfühlend hinzuschauen, statt dich zu verurteilen oder abzulenken, kann etwas Wunderbares passieren: Du integrierst einen verdrängten Teil deiner selbst. Das macht dich ganzer. Freier. Lebendiger.

Vom Widerstand zur Freiheit – 7 Impulse für deinen Weg

1. Beobachte ohne zu bewerten

Wenn du eine starke Reaktion spürst, sag innerlich: „Interessant, was hier gerade passiert.“ Sei neugierig, nicht kritisch.

2. Spüre in deinen Körper hinein

Widerstand hat eine körperliche Komponente. Wo spürst du ihn? Enge im Brustkorb? Kälte im Bauch? Zucken in den Händen? Der Körper erinnert sich, was der Kopf vergessen hat.

3. Den getriggerten Teil in dir würdigen

Es gibt einen Teil in dir, der getriggert wird.  Versuche, dir diesen Teil vorzustellen. Hat er eine Form, eine Farbe, generiert er einen Ton? Nimm dabei wahr, wo sich der Teil befindet – an einer bestimmten Körperstelle oder ausserhalb von dir? Wenn es dir möglich ist, gib ihm einen Platz ausserhalb von dir, setze ihn auf einen Stuhl und beginn mit ihm zu sprechen. Oft hat dieser Teil in dir eine bestimmte Funktion übernommen, bspw. dich zu beschützen, dich zu motivieren etc.

  • Was genau triggert mich?

  • Kenne ich dieses Gefühl von früher?

  • Welche Geschichte erzählt sich da gerade in mir?

4. Lass dir Zeit und finde den Schatz

Frage dich: Was will mir dieser Trigger beibringen? Welche Qualität in mir darf wachsen?

Gerätst du wieder in eine ähnliche Situation, hast du schon erste Schritte gemacht, um sie und dein Verhalten zu identifizieren. Darauf darfst du stolz sein. Verurteile dich also nicht gleich, wenn du wieder im selben, alten Muster reagierst. Veränderung geschieht nicht im Kopf, sondern durch wiederholte Erfahrung. Es braucht Geduld, dich selbst in kleinen Dosen in den Trigger hineinzubegeben – nicht, um dich zu überfordern, sondern um dich zu befreien.

5. Hole dir Begleitung

Eine neutrale Person kann dir helfen, den inneren Raum zu betreten, vor dessen Türe du alleine jeweils stehen bleibst. Gerade in der prozessorientierten Begleitung öffnen sich oft Türen, die du allein nicht gesehen und nicht durchschritten hättest. Du wirst sanft unterstützt dran zu bleiben, nicht wegzuschauen und weiterzumachen wie bisher.

Fazit: Deine Allergien zeigen dir, wer du werden willst

Worauf du „allergisch“ reagierst, zeigt nicht deine Schwäche – es zeigt dein Potenzial. Dein Widerstand ist nicht gegen dich gerichtet, sondern will dich führen. Er sagt:

„Hier liegt etwas, das du noch nicht integriert hast – aber es gehört zu dir.“

Und je mehr du diese Teile von dir anschaust, spürst und annimmst, desto freier wirst du.

Frei von Wiederholungen.
Frei von alten Mustern.
Frei, du selbst zu sein.

Impuls für dich:
Nimm dir diese Woche zehn Minuten Zeit und schreibe auf: Worauf bin ich „allergisch“ – und was könnte dahinter stecken?

Vielleicht findest du mehr als nur eine Antwort. Vielleicht findest du dich.

Wenn du magst, begleite ich dich auf dieser Reise.
Herzlich,
Katia

Raum für Neues

Veränderungen sind Chancen. Wie du sie für dich nutzt und einiges mehr erfährst du in meinem Newsletter.

Die Datenschutzrichtlinien für den Newsletter findest du hier.

Weitere Blogartikel