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Ein grauer Morgen, der einen ebenso grauen Tag ankündigt. Du hast schlecht geschlafen, dein Kopf ist dumpf, wie in Watte gepackt. Eigentlich solltest du arbeiten, mit klarem Kopf, der logische Gedanken fassen und formulieren kann und kreativ ist.

Was machst du?

Das Gesicht kalt waschen? Eine Tablette einwerfen? Einen Spaziergang machen?

Oder kannst du dich dieser Dumpfheit einfach mal hingeben und sie zulassen?

Wir fühlen uns verpflichtet, immer zu funktionieren und Leistung zu erbringen. Also muss das dumpfe Gefühl weg, und wir setzen alles daran, wieder leistungsfähig zu werden. Genauso halten wir es oft mit Trauer, Wut und Schmerz. Und erstaunlich oft auch mit Freude und Lebenslust, denn auch die sind manchmal zu laut und passen nicht in den Terminkalender.

Doch was wäre, wenn wir diesen Gefühlen und Körpersymptomen Raum geben und ihnen Aufmerksamkeit schenken? In der Prozessarbeit geschieht genau das: Sie dürfen sich zeigen und wahrgenommen werden. Oft offenbaren sie uns dann auf überraschende Weise tieferliegende Wahrheiten, zum Beispiel Bedürfnisse, die wir wegschieben und ignorieren. Und manchmal zeigen sie uns sogar eine Ressource, mit der wir in belastenden Situationen umgehen können, aus denen es aktuell keinen Ausweg gibt.

Das gilt nicht nur für den dumpfen Kopf am Morgen, sondern auch für Momente, in denen wir am liebsten alles hinschmeissen würden.

Ein Beispiel aus der Praxis

(Das Beispiel ist zum Schutz der Person verfremdet.)

Eine Coachee fühlt sich in ihrer beruflichen Situation gefangen. Die Umstände zehren an ihr, und sie sieht im Moment keinen Ausweg. Eine Veränderung ist vorerst keine Option, denn es gibt gute Gründe, weshalb sie die Lage aushalten muss.

In der Sitzung verstärken wir das Gefühl des Gefangenseins: Die Coachin hält die Klientin mit beiden Armen fest. Dann geschieht etwas Unerwartetes. Die Klientin windet sich frei, und ein befreites Lachen bricht aus ihr heraus: «Ätsch, ich bin dir entwischt.»

In diesem Moment zeigt sich eine Ressource: der Humor. Die äussere Lage bleibt vorerst, wie sie ist. Aber die Klientin hat erlebt, dass sie innerlich frei sein kann, auch wenn etwas sie festhält. Mit dieser Leichtigkeit kann sie die Zeit überbrücken, bis sich etwas verändert.

Resignation oder Entscheidung?

Das ist etwas ganz anderes als Durchhalten um jeden Preis. Resignation sagt: «Ich kann ja eh nichts tun.» Die Klientin sagt: «Ich weiss, wofür ich diese Phase im Moment brauche.» Aus dem Gefühl, festzusitzen, wird eine bewusste Entscheidung, und damit kommt der Handlungsspielraum zurück.

Und der graue Morgen?

Vielleicht verlangt deine Dumpfheit nach Ruhe, nach Langsamkeit, nach Rückzug. Vielleicht zeigt sie dir etwas ganz anderes. Du wirst es nur erfahren, wenn du ihr einen Moment lang zuhörst, statt sie wegzuschieben.

Muss also wirklich alles weg? Vielleicht nicht. Vielleicht will manches einfach nur gehört werden.

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